Die perfekte Symbiose zwischen Orient und Okzident: der Ziegler-Teppich

Im vierten Teil unserer Teppichkunde widmen wir uns einer sehr beliebten Teppichart: dem Ziegler-Teppich. Die Teppichmanufaktur wurde im 19. Jahrhundert vom Schweizer Philipp Ziegler in Manchester gegründet. Hier ist bis heute der Hauptsitz des Unternehmens. Aufgrund steigender Nachfrage baute Ziegler 1872 die erste eigene Teppichproduktion im westlichen Iran, in Arak. Der Standort liegt auf der Handelsroute zwischen Teheran und Bagdad und bietet damit beste Voraussetzungen für den Vertrieb der Teppiche. Inzwischen gibt es elf weitere Standorte rund um Täbriz und Rast. Größter Standort bleibt Arak mit ca. 3.000 Knüpfstühlen. Damit bleibt Ziegler trotz zunehmender Konkurrenz aus Afghanistan und Indien Branchenführer.

Doch was macht Ziegler-Teppich so beliebt? Und woran erkennt man sie? Das möchten wir Ihnen nachfolgend in Kürze zusammenstellen.

 

Von der Panne zum Charakteristikum: die ausgewaschenen Farben

Um zu verstehen, warum Ziegler-Teppiche sich ständig wachsender Beliebtheit bis heute erfreuen, müssen wir ein wenig in die Entstehungsgeschichte blicken: Die ersten Teppiche dieser Art wurden mit feiner Merino-Wolle geknüpft, da diese einen besonders weichen Flor garantiert. Dazu importierte Ziegler die Wolle eigens aus Manchester in den Iran. Gefärbt wird ausschließlich chemisch mit Anilin. Dies führt dazu, dass die Farben ungewollt schneller verblassen. Dieses „Malheur“ sorgt insbesondere in Europa für eine erhöhte Nachfrage, da sich die matten Farben zunehmender Beliebtheit erfreuen. Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, schließt Ziegler ein Handelsabkommen mit sogenannten „local agents“ im Iran.  Ziel ist der Austausch von Rohstoffen (Wolle und Muster). Das Ganze funktioniert so, dass die Agents die Wolle an lokale Knüpfer verteilen und gleichzeitig deren Produktion überwachen. Die Arbeitsteilung ermöglicht eine steigende Produktion dieser Teppichart. Im Gegenzug sinken die Verkaufspreise, so dass Ziegler-Teppiche für eine größere Käuferschaft erschwinglich werden. Heute wird der Effekt der blassen Farben teilweise nachträglich zugefügt, in dem der Teppichflor stark mit Steinen abgerieben wird.

 

Typisch Ziegler: matte neutrale Farben für einen Antiklook, Foto: Meike Cornelius/www.punktgenau-kreativschmiede.de

Typisch Ziegler: matte neutrale Farben für einen Antiklook, Foto: Meike Cornelius/www.punktgenau-kreativschmiede.de

Merkmale eines Ziegler-Teppichs

Es gibt die Teppiche in drei unterschiedlichen Qualitäten. Hauptkriterium dafür ist die Qualität der Wolle bzw. der Garne. Bei günstiger Wolle ist die Rückseite sehr knotig, die Oberfläche der Teppiche rauh, die Festigkeit der Teppiche durch kurze Garne eingeschränkt. Die Knüpfdichte beträgt hier durchschnittlich 140.000 Knoten pro Quadratmeter. Mittlere Qualitäten weisen eine Knüpfdichte von 180.000 Knoten und hochwertige Teppich sogar bis zu 220.000 Knoten pro Quadratmeter auf. Anhand dessen wird bereits die Festigkeit der Teppiche nachvollziehbar. Weitere Charakteristika sind:

  • matte, neutrale Farben – Grundton Beige sowie Pastelltöne
  • Verwendung von max. 2 – 4 unterschiedlichen Farben
  • kein Mittel-Medaillon wie sonst bei Orientteppichen üblich
  • florale Muster aus Sawidenzeit (meist Ranken und Blüten)
  • Kurzflorteppich

Aufgrund des gestiegenen Qualitätsbewusstsein der Käufer wird heute wieder ausschließlich mit Pflanzenfarben gefärbt, und meist höherpreisige Qualitäten nachgefragt. Ihre neutrale Optik kombiniert mit typisch orientalischen Mustern macht Ziegler-Teppiche bis heute zu einem starken Segment im Teppichhandel. Das Einrichtungs-Prinzip „mix & match“ lässt sich mit Ziegler-Teppichen bestens umsetzen. Sie verleihen modernen Einrichtungsstilen orientalisches Flair. Sie möchten mehr Eindrücke dieser Teppiche? Dann klicken Sie sich in unseren Online-Shop, wo wir eine gelungene Auswahl dieser Teppiche führen.